Kunst Philosophie

Kunst Philosophie- Kunst und Bewusstsein
(meine)
„Es gibt Maler, die die Sonne in einen gelben Fleck verwandeln.
Es gibt aber andere,die dank ihrer Kunst und Intelligenz einen gelben Fleck in die Sonne verwandeln können.“
Pablo Picasso

Das Zitat von Pablo Picasso bringt etwas wichtiges auf den Punkt:
was in der Malerei mit aller Technik und Raffinesse letztlich auf der Leinwand zu sehen ist, muss eine nachvollziehbare und qualitativ empfindbare Realität für -zunächst einmal den Maler selbst- und dann aber auch für den Betrachter zeigen!
Ist das nicht der Fall, gibt es schon Probleme und die ziehen eine  Fülle von diversen Ausdeutungen nach sich.

Über Malerei kann ich die spezifischen Erfahrungen aus eigenen  Schaffensprozessen einbringen, jedoch nicht über die Kunst in allgemeintheoretischen Diskursen sprechen- dafür gibt es Spezialisten mit zahllosen Haupt- und Nebendiskussionen.
Mein Vorhaben an dieser Stelle wäre, darzustellen, welche Parallelen gezogen werden können vom Prozess der Malerei und der zeichnerischen Gestaltung zu denen die bei Yogaübungen, Konzentration und Meditation stattfinden.

Für mein Empfinden stoßen beide Disziplinen fast zwangsläufig auf ähnliche menschliche „Urfragen“ und haben damit auf ihre Weise umzugehen.Ein erstes Beispiel wäre, grob gesagt, der Weg von der Idee zur materiellen oder körperlichen Darstellung bzw. Umsetzung, worauf ja auch das obige Zitat abzielt.
Was ist die Idee, woher kommt sie, wie drückt sie sich aus und wie bewusst geschieht die Umsetzung? Welche Bewusstseinsvoraussetzungen braucht es dafür- wie bewusst oder auch unbewusst laufen die entsprechenden Prozesse der Realisation ab- das sind beispielhafte Fragestellungen.

Aufgrund der sich mir aufdrängenden Parallelen empfinde ich beide Disziplinen, das Malen und den neuen Yogawillen als wichtige, das menschliche Bewusstsein schulende Erkenntniswege.

Um noch einmal auf das Eingangszitat zu kommen:
Das real existierende und bedeutsame Objekt der Darstellung in Picassos Zitat, die „Sonne“ nämlich, liegt außerhalb der subjektiven Sphäre des Künstlers und ist damit in der Konsequenz für jeden anderen menschlichen Betrachter ebenso gültig und erfahrbar, wie für den Künstler selbst.
Und die Aussage scheint mir dafür entscheidend zu sein: „Dank ihrer Kunst und Intelligenz“ im Zitat Picassos weist auf eine zeitintensive materielle und die gedankliche Auseinandersetzung des Malers mit einem Objekt der Außenwelt hin, natürlich stets in Abgleich zu seiner inneren Empfindungswelt. Die oft laienhaften Zuschreibungen von Talent oder Genie an Kunstausübende übersehen aber gerne diese arbeitsintensive Phase und leiten daraus ab, dass die malerischen Bildfindungen – bei Körperübungen wäre es die Geschicklichkeit oder Beweglichkeit – nicht „vom Himmel fallen“ bzw. nicht gänzlich unbewusst geschehen können.

Der Spagat zwischen materieller Beobachtung des Phänomens, der geschickten Darstellung mit malerischen Mitteln (was Übung erfordert) und der gedanklich philosophischen Arbeit führt letztlich zu dem Ergebnis, daß Malende nach längeren Prozessen zu einer Art „Gefühl der Übereinstimmung“ zwischen Idee und Ausführung kommen oder zu einer Empfindung von einer „Stimmigkeit“ oder einem Wahrheitsgehalt geführt werden.

Mit seiner obigen Aussage entkräftet Picasso gleichzeitig den übertriebenen Geniekult, dem er selbst angehörte oder bewusst geschäftsorientiert gemacht wurde. Ein Geniekult würde schöpferische Prozesse ausschliesslich den genialen „Auserwählten“ zugestehen, der Rest der Menschheit ist damit zum Beifallklatschen bzw. zum Konsum oder gleich Kauf der Werke „abkommandiert“. Abgesehen davon, daß auch das „Rezipieren“ von Kunstwerken nicht wenig schöpferische Bewusstseinsprozesse abverlangt ist dieser Kult schnell durchschaubar.  

Eigenständige schöpferische Prozesse und deren Bezug zur Bewusstseinsentwicklung sind, nicht nur nach meiner Einschätzung, etwas tief Menschliches und somit bei jederman- entsprechend seiner spezifischen Fähigkeiten- grundsätzlich veranlagt, wenn auch nicht immer entwickelt.

Die gemeinsame Philosophie von Kunst und Yoga ist, dass das menschliche Bewusstsein sich weiterentwickeln möchte. Und der Schlüssel dazu findet sich in in der Aussage, daß der Gedanke oder das Wesen der Sache im außen zu finden ist.

Das ist für Jeden von Interesse und entsprechend zu entwickelbar.
Nebenbei definiert sich damit auch das Verhältnis von Kunst und Betrachter und es hat Konsequenzen für die Kunstkritik.

In weiteren Ausführungen werde ich die hier interessanten Bewusstseinsprozesse noch untereinander vergleichen und mit Beispielen näher darstellen.